10 Fragen an mich als Sternenkind Fotograf – Ein Interview –Teil 1–

Wenn ich zu Einsätzen gerufen werde, fragen mich die Eltern oft wie man dazu kommt Sternenkinder zu Fotografieren bzw. Sternenkind Fotograf zu werden. Meistens jedoch interessiert Sie eher der Ablauf vom Anfragen bis zur Kontaktaufnahme mit einem Fotografen.

Allerdings sind nicht nur betroffene Eltern neugierig wieso, warum, weshalb man das macht. Auch Freunde, bekannte und Verwandte stellen oft viele Fragen wenn das Thema aufgegriffen wird. Die ,,top ten“ dieser Fragen möchte ich euch hier beantworten.


Sternenkinder Herzenssache

1. Deine AlarmApp geht oft mehrmals am Tag. Was geht dir durch den Kopf wenn das Handy schrillt?

Die ersten Wochen hab ich mich jedes mal erschreckt wenn das Handy los schrillte. Man fühlt sich gerade als absoluter Neuling gewissermaßen Verpflichtet, auch wenn man das nicht ist. Ich war jedes mal ziemlich Aufgeregt. Als außenstehender bekommt man für gewöhnlich nicht mit wie viele Kinder den Sprung ins Leben nicht schaffen. Das ändert sich dann schlagartig. Mittlerweile bin ich etwas ruhiger wenn das Handy wieder bimmelt. Ich schaue drauf und wäge ab ob ich Zeit hab und wie weit der Weg ist. Denn oft ist der Weg die meiste Zeit die man einplanen muss denn 150 km fährt man nicht in 30 Minuten als Beispiel. In erster Linie denke ich also: ,,Hab ich Zeit? Wie kann ich die Kollegen unterstützen auch wenn ich nur ein kleines Zeitfenster bieten kann“. Man versucht also zu Organisieren das man es möglich macht den Eltern möglichst zeitnahe, sofern das Kind schon da ist, diese wertvollen Erinnerungen zu machen.

2. Macht es dich traurig, wenn viele Calls rein kommen? Immerhin bedeutet es jedes mal, das ein Baby gestorben ist, oder sterben wird.

Kurz und knapp. JA!. Ich empfinde tiefes Mitgefühl jedes mal wenn wieder ein Call rein kommt. Ich selbst kann nicht nachempfinden wie das ist ein Kind zu verlieren obwohl ich selbst zwei gesunde Kinder habe, aber ich kann mir durchaus Vorstellen das es nichts schlimmeres gibt. Wieder ein Kind das es nicht schafft oder geschafft hat. Eltern die vor lauter Trauer und Verzweiflung in dem Moment weder vor noch zurück wissen. Beispiel Todesanzeigen in der Zeitung. Man sieht da ist ein Baby gestorben. Man nimmt es wahr, denkt sich wahrscheinlich auch ,,Oh Gott wie schlimm“ und blätter weiter. Denkt mal länger drüber nach.

3. Du hast zwei gesunde Kinder, das jüngste gerade knapp ein Jahr alt. haben deine Kinder etwas dazu beigetragen, das du nun Fotograf bei DSK bist?

Da muss ich etwas ausholen. 2017 habe ich mich erstmalig gefragt ob es Sternenkind Fotografen gibt. Diese Frage habe ich mir dann im Hinterkopf behalten. 2018 sah ich dann im TV ein Bericht über Sternenkinder worauf hin sich meine Frage aus dem Hinterkopf wieder meldete. Da habe ich dann angefangen zu suchen und auch ziemlich schnell DSK entdeckt. Aber bin ich für eine solche Aufgabe bereit? Ich habe mich umfassend mit DSK beschäftigt und dem Thema Sternenkinder und habe dann entschlossen das ich helfen will. Ich WILL diesen Eltern diese Erinnerungen machen. Abschließend würde ich also sagen das meine Kinder keinen Einfluss darauf hatten das ich mich dort beworben habe.

4. Würdest du selbst einen Sternenkind Fotografen anfordern?

Vor dieser Frage hatte ich ehrlich gesagt etwas Respekt. Ich glaube schon das ich einen Fotografen anfordern würde. Es sind nun mal die ersten und letzten Bilder. Wichtigere Erinnerungen gibt es nicht. Manch einer würde sich wahrscheinlich denken, ich bin ja Sternenkind Fotograf, warum machst du es nicht selbst? Ganz einfach. Ich würde es nicht können. Ich wäre zu aufgewühlt mein eigenes Wunder zu fotografieren. Außerdem würde ich Bilder wollen, wo ich mit drauf bin. Also Familienbilder, so wie es viele wollen und wie es auch richtig ist. Alleine schon die Vorstellung, sowas erleben zu müssen, treibt mir die Tränen in die Augen. Es hört sich zwar egoistisch an aber das würde ich auch über den Kopf meines Partners hinweg entscheiden. Wenn meine Partnerin keine Bilder haben wollen würde, dann würde ich das für mich machen lassen denn ich möchte diese Erinnerungen haben.

5. Wie trittst du betroffenen Eltern gegenüber?

Das ist völlig unterschiedlich. Bereits beim ersten Telefonat kann man erahnen wie die Eltern gerade emotional drauf sind. Es gibt Eltern die sind ziemlich gefasst und sehr offen und es gibt Eltern, wie bei meinem ersten Sternchen, die nicht dabei sein möchten und auch keine Form der Kommunikation wünschen. Wenn ich das Zimmer, habe ich einen kurzen Moment die Lage zu erfassen. Ich stelle mich mit den Worten: ,,Hallo, nennt mich Benny. Mit ,,Du“ ist es einfacher. Mein herzlichstes Beileid zu dem was euch passiert ist. Wollt Ihr mir erzählen wie dazu kam?“ Klingt jetzt erst mal nach ,,mit der Tür ins Haus fallen“, aber tatsächlich sind auch die Eltern froh, wenn man sich nicht anschweigt und die meisten Paare haben großen Redebedarf. Ich unterhalte mich erst mit den Eltern bevor ich in meiner Tasche rumkrame um die Kamera startklar zu machen. In diesem ersten, intensiven Gespräch, kann man nebenbei auch schon einen Einblick bekommen was die Eltern sich vorstellen. Nur wenn die Eltern sich im beisein eines fremden wohlfühlen, ist auch das Fotografieren deutlich entspannter. Anweisungen wie was liegen könnte gebe ich für gewöhnlich nicht. Ich frage die Eltern ob ich das Kind selbst positionieren darf bei den Detail Bildern. Dann können die Eltern zuschauen haben nicht zusätzlichen Druck, etwas falsch zu machen. Bei den Familienaufnahmen gebe ich das Kind zurück zur Mama oder zum Papa und halte lediglich die Momente fest wo sie sich verabschieden. Das ist natürlicher als ,,gestellte Szenen“. Im Grunde tue ich nichts weiter als die Eltern, während des Shootings, zu begleiten. Ohne hektik.

Das war Teil 1 des Interviews. Den zweiten und finalen Teil gibt es nächste Woche zur selben Zeit. Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben was ich denke und fühle.

Lieben Gruß, Benny

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