Nicht alle Einsätze enden wie gewünscht

Macy, dich durfte ich nie Treffen

Freitag, 27. September. Meine AlarmApp schrillt. In Paderborn hat es wieder ein Kind nicht geschafft. Also erstmal ins Forum schauen und nachforschen was passiert ist.

Die Mutter befindet sich bereits in der 38. Schwangerschaftswoche. Aufgrund der Größe wollten die Ärzte die kleine Macy bereits am Samstag holen. Doch bei der Voruntersuchung einen Tag zuvor, stellte man keine Herztöne mehr fest. Das Kind war kerngesund, es gab nie Auffälligkeiten. Das kleine Herzchen hat einfach aufgehört zu schlagen. Ich glaube bei einer solchen Hiopsbotschaft, fühlt man nichts. Man ist leer.


Der Erstkontakt

Ich rufe erstmal die Schwester des Vaters an. Sie ist als Ansprechpartnerin hinterlegt. Es klingelt und klingelt…… mhm, es geht keiner ran. Ich möchte auch nicht Sturmklingeln und hinterlasse eine Whatsapp mit der bitte um Rückruf. Es dauert auch nicht lange bis ich eine Antwort erhalte. Aber kein Anruf. In einer Whatsapp bat die Schwester darum mich am nächsten morgen anzurufen. Okay dachte ich. Das geht in Ordnung. Die Einleitung beginnt ohnehin erst am Folgetag. Sie rief mich dann auch Samstags morgens an erzählte mir nochmal was passiert ist. Ihre Stimme zitterte förmlich und sie musste sich zusammenreißen um sich nicht zu verhaspeln. Ich erklärte Ihr den Ablauf, mit der bitte, mich auf dem laufenden zu halten wenn sich etwas tut. Es heisst nun also warten.

Vorbereitungen treffen

In meinem Kopf spielen sich wieder Szenarien ab, Wie sieht das Kind aus? Wie sind die Eltern drauf? Was nehme ich alles mit? Eigentlich packe ich immer vorsorglich Kleidung ein und überprüfe meine Akkus mehrfach. Nervosität macht sich breit und ich schaue ständig aufs Handy. Aber erstmal heisst es Kamera und Optiken putzen. Schmutzpartikel oder gar streifen könnte ich mir auf den Fotos nicht verzeihen. Speicherkarte leer und eingepackt? Das wäre der Supergau. Lieber alles 3 mal kontrollieren. Meinen Einsatzkoffer noch eben auf vollständigkeit kontrollieren und dann etwas runterkommen.


Frage ich mal nach?

Abends dachte ich mir, ich frage mal nach wie der Stand der Dinge ist. Knapp eine Stunde später meldet sie sich auch zurück. Es tut sich wenig, es heisst weiter warten. Das ist grausam. Wissentlich das man seine größte Liebe still zur Welt bringen muss und dann dauert es an. Es sollte doch alles so schnell gemacht werden weil das Kind ja schon ,,fertig“ war und dann zieht es sich doch in die länge. ,,Ich bin die ganze Nacht und den Sonntag für euch da“. Erleichtert bedankte sie sich bei mir. ,,Es ist Ihr erstes Kind und alles war gut“ Man spürte die tiefe betroffenheit beim Schreiben und sagte Ihr das es mir unendlich leid tut was gerade passiert. Wärend wir so hin und her schreiben kam dann plötzlich die Nachricht es wäre soweit….

Das Drama beginnt

Sie schickte mir die Nummer Ihres Schwagers, dem Vater. Ich schrieb ihn direkt an und fragte ob es soweit ist. ,,Nein, meine Frau schläft dank der PDA aber es sind starke Wehentätigkeiten. Wir rechnen mit der Geburt in den frühen Morgenstunden“. Puh, falscher Alarm. Da war ich dann auch direkt wieder wach. Ging aber doch erstmal ins Bett und schrieb dem Vater das er mich jederzeit anrufen kann. Als ich dann wieder gegen 9:00 Uhr wach wurde, schaute ich panisch aufs Handy. Hab ich den Anruf überhört? Nein. Er schrieb mit eine Whatsapp das das Kind um 2:53 Uhr geboren wurde und sie selbst einige Fotos mit dem Handy gemacht haben. Die kleine Maus sehe wohl schon ziemlich mitgenommen aus, sodas weitere Fotos durch einen Fotografen nicht mehr nötig seien. Mit Hilfe der Schwester versuchten wir die Eltern noch umzustimmen. Professionelle Fotos sind doch was anderes wie Handybilder und das ich auch mit mitgenommenen Kindern Erfahrung habe und das für mich kein Problem darstellt. Leider bekam ich darauf keine Antwort mehr und so musste ich den Call dann beenden. Leider. Ich hoffe so sehr für die Eltern das Sie diese Entscheidung später nicht bereuen. Ich werde wohl noch lange an die Familie denken….

Liebe Grüße

Benny

2 Antworten auf „Nicht alle Einsätze enden wie gewünscht“

  1. Leider weiss man ja auch nie genau wieweit das Krankenhaus hinter Euren so wertvollen Einsätzen steht. Vielleicht hat man es auch versucht den Eltern auszureden, aber das wird man wohl nie erfahren.
    Natürlich sind Professionelle Fotos etwas ganz anderes. Man hätte Füße oder Fingerchen fotografieren können, selbst wenn das Kind „mitgenommen (mir wiederstrebt es dieses Wort zu benutzen) aussah. Unser Henry hatte damals auch ein eingedrücktes Köpfchen, und dennoch wären Fotos von einem Fotografen was ganz anderes gewesen. Immerhin hatten wir das Glück, dass das Krankenhaus Fotos gemacht hat. Keine Schönen, aber man hat sie.

    1. Hallo Mary, danke für deinen Kommentar. Tatsächlich arbeitet die Klinik dort eng mit uns zusammen und wir sind dort auch öfter. Dadurch das die kleine Maus schon länger als gedacht im Bauch verstorben war, wollte der Papa und das ersparen. Das ist lieb gemeint aber wir Fotografen haben damit Erfahrung. Ich versuche dann aber auch nicht auf biegen und brechen die Meinung zu ändern. In dieser Situation ist das unklug und die Eltern haben genug zum nachdnken.

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