Ilay, mein erstes Sternchen

Es war heiß, ein ziemlich fieser Tag um im Auto durch die Gegend zu gurken.

Eigentlich hätte ich bis 16 Uhr arbeiten müssen aber als sich niemand sonst meldete für Lippstadt, machte ich also um 13:30 Uhr Feierabend. Ich dachte zuerst gar nicht dran, das dies mein erstes Sternchen sein wird, welches ich fotografiere.


Ich fuhr also erst mal nach Hause. Tasche packen, halbwegs salonfähig machen und dann noch zur Tanke.

Gerade getankt bimmelte das Handy. Ein zweiter Einsatz in Lippstadt……Moment……

Direkt 2 Sternchen?

Ich schmeiße mich ja selbst gerne ins kalte Wasser aber das das Wasser an diesem Tag so kalt sein sollte? Ich nahm an und fuhr los Richtung Lippstadt.

Während der Fahrt stieg dann auch die Nervosität. Was heißt Nervosität? Ich war verdammt aufgeregt. Der Schweiß lief. Duschen hätte ich mir also schon mal sparen können.

23 Schwangerschaftswoche…. Wie sieht das aus? Kann ich damit umgehen? Wie gehe ich mit Eltern um die gar kein Deutsch sprechen?……. Ein Buch zur Übersetzung wünscht man sich da.

Angekommen im Krankenhaus hab ich erst mal die Kinderintensivstation gesucht und wurde dort auch direkt von einer sehr netten Schwester begrüßt.

Bevor es dann losging, bot mir die Schwester Wasser an und ein Tuch um erst mal etwas zu trocknen vom vielen Schwitzen.

Sie kündigte mich beim Vater an und holte mich aus dem Warteraum ab.

Der schwere Gang ins Zimmer

Mein Herz hat in diesen 5 Metern gefühlte 1000 Schläge gemacht. Egal, durchatmen, sammeln und rein………..

Unter Schock stehend und völlig aufgelöst sah ich den Vater neben dem Bettchen seines einst so erwarteten Sohnes stehen sehen. Er war wie in Trance und fast gar nicht ansprechbar. Ich begrüßte Ihn und bevor ich auch nur ein Wort mit ihm wechseln konnte, floh er regelrecht aus dem Zimmer und ließ mich alleine. In diesem Moment musste ich selbst versuchen die Tränen zurück zu halten. Welche Schmerz muss dieser Vater ertragen?

Was für Seelische Qualen hält er da aus? Wie gerne hätte ich Ihn einfach nur kurz gedrückt und Ihm gezeigt: Hey! Ich bin auch für euch Eltern da!

Die Schwester erklärte mir kurz die Lichtrufanlage falls ich was brauche oder fragen habe.

Als auch Sie das Zimmer verlassen hat, begrüßte ich erst mal den kleinen Mann. Ilay sollte er heißen und lag wie schlafend einfach da. 25 cm Mensch, liebevoll eingepackt in einem Einschlagtuch.

Nach kurzem verschnaufen packte ich meine Kamera aus und tat, wofür ich da war. Die Bilder. Eine ganze Stunde war ich bei Ihm und ertappte mich immer wieder wie ich angefangen habe mit Ilay zu sprechen. Ein für mich sehr emotionaler Moment.

Ich machte die letzten Bilder und meldete mich wieder bei den Schwestern.

Bürokratie Bürokratie..

Der Vertrag! Oh Nein den hab ich ganz vergessen!

Auf kyrillisch hatte ich ihn schon dabei aber wo waren nun die Eltern?

Eine Station höher? Okay dann hin.

Leider nur die Mutter da. Auch Sie begrüßte ich wie einen alten Freund. Sie wollte die Bilder direkt sehen (so verstand ich die Zeichensprache)

Nach einem kurzen Nicken und vielen vielen geflossenen Tränen wusste ich, ich habe diesen Eltern ein unbezahlbares Geschenk gemacht.

Man muss nicht die gleiche Sprache sprechen. Man muss sich nicht verstehen. Aber in diesem Moment sind wir Menschen doch alle gleich. Wir sind füreinander da. ……

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