Colin – Jamie mein 5. Sternenkind

Kaum eine Woche später wieder ein Sternenkind Alarm aus Hüsten. Dieses mal allerdings ein kleiner Junge in der 39. Schwangerschaftswoche.

Was ist passiert?

Als der Call einging, hatte der kleine Mann noch keinen Namen und war auch noch nicht geboren. Er ist noch im Mutterleib, ohne erkennbare Gründe zu den Sternen gereist. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, hat das Schicksal aber nochmal einen nachgelegt. Am 08.02 sollten die beiden werdenden Eltern in die Klinik damit die Geburt eingeleitet wird. Bisher alles geplant und Routinemäßig. Sie gingen in die Klinik, meldeten sich an und gingen in den Kreißsaal zu den üblichen Voruntersuchungen. Beim Ultraschall allerdings, kam heraus, das der kleine Mann keine Herztöne mehr hat. Eine Welt bricht zusammen. So sollte der kleine doch Gesund auf die Welt geholt werden. Es war doch alles gut und dann DAS. Die Vorfreude aufs erste Kind, einfach Eltern sein. Alles was dazu gehört, war nun mit einem Schlag vorbei.

Der erste Kontakt mit der Mama

Nachdem der Alarm einging, meldete ich mich im Forum und sagte sofort zu das ich diesen Einsatz übernehme. Da Hüsten nur unweit entfernt ist, übernehme ich hier auch die Nächte. Ich rief sofort die Mama an um mich zu erkundigen wie der Stand der Dinge ist und natürlich um wenigstens die Sorge zu nehmen, das ein Fotograf gefunden ist. Man spürte die Traurigkeit durchs Telefon und konnte förmlich mitfühlen. Ich versicherte Ihr das ich mich umgehend auf den Weg machen werde sobald der kleine Mann da ist und das ich mich über gelegentliche Updates freuen würde, wenn die Einleitung der Geburt voran schreitet. Wir verabredeten das wir die weitere Konversation auf WhatsApp beschränken. So ist es doch einfacher.

Es meldet sich keiner

Zwei Tage hörte ich gar nichts von den Eltern sodass ich bereits dachte sie würden keine Bilder mehr haben wollen. Ich schrieb also eine kurze Nachricht. Eigentlich mache ich das nur sehr ungern. Man möchte ja auch nicht stören oder aufdringlich wirken. Aber es brannte mir einfach zu sehr unter den Nägeln. Aber nichts. Die Mama schrieb zurück. Es tat sich nichts. Es sei noch alles ruhig und es würde noch dauern. Oh Nein, dachte ich. Hoffentlich müssen die beiden sich nicht auch eine Woche lang quälen bevor das Kind kommt. Das ist seelische Folter. Ich nahm die Nachricht zur Kenntnis und schrieb nicht weiter.

Grippe zum falschen Zeitpunkt

Es war kalt, es war nass. Beste Voraussetzungen um sich eine dicke Erkältung einzufangen. Ich merkte Montag morgen während der Arbeit schon das sich da was anbahnt. Also ging ich nach Hause. Und es war besser so. Den Rest des Tages verbrachte ich im Bett. Na toll dachte ich. Also im Forum schnell Bescheid gegeben das nochmal Alarmiert werden muss. Viele meldeten sich nicht. Aber es genügte um einen Tag abzudecken. Dann würde man nochmal Alarmieren. Unsere Koordinatoren sind spitze! Das muss an dieser Stelle mal lobend erwähnt werden. Am Dienstag ging es mir schon wesentlich besser sodass ich wieder übernehmen konnte. Zwar ungern da ich ja noch krank geschrieben war, aber ich konnte die Familie einfach nicht im Stich lassen. Es gibt dinge, die kann man nicht einfach absagen.

Mein Sternenkind ist da, kannst du kommen?

Abends gegen 18:30 Uhr als wir am essen waren, klingelte dann mein Handy. Ich sah schon wer da anrief und wusste, ich muss gleich los. So war es dann auch. Ich verabredete mich mit den Eltern um 20 Uhr und packte schon mal meinen Einsatzkoffer, kontrollierte die Akkus meiner Kamera und reinigte meine Objektive.

Hoffentlich nicht wieder der kleinste Kreißsaal den das Krankenhaus hat

Wie aus zwei vorherigen Einsätzen in Hüsten schon bekannt, hat das Krankenhaus einen Kreißsaal der sehr klein ist. Man hat dort sehr wenig Möglichkeiten sich zu entfalten um das Kind adäquat fotografieren zu können. Aber erst mal heißt es Parkplatz suchen. Direkt vor der Klinik war leider alles belegt sodass ich doch etwas außerhalb Parken musste. Aber jeder gang hält schlank. Angekommen in der Klinik lief ich dann quasi wie ferngesteuert zur Entbindung und klingelte. Die Hebammen waren froh das ich so zügig kommen konnte und begleiteten mich schlussendlich zum Zimmer wo Colin-Jamie, die Mama, der Papa und die Oma bereits auf mich warteten. Es ist immer gut wenn man bei einem Alarm direkt mit den Eltern Kontakt aufnimmt anstatt mit dem Personal.

Sternenkind

So ist man sich nicht ganz fremd. Also begrüßte ich erst mal die sichtlich erschöpfte Mama. Die Geburt sei wohl eine, ich nenne es ,,mittelschwere Katastrophe“ gewesen. Papa und Oma wechselten sich gelegentlich mit dem halten des kleinen Colin-Jamie ab und so begrüßte ich auch Ihn. So ein niedlicher kleiner Mann. Man sah auch ihm die Strapazen der Geburt an. So waren Hautablösungen überwiegend im Gesicht vorhanden. Natürlich war es auch wieder der kleine Kreißsaal sodass ich gucken musste wie ich das nun am besten bewerkstellige. Ich erklärte den Eltern kurz wie ich Arbeite und das sie jederzeit das shooting unterbrechen können sobald es Ihnen zu viel würde. Oma und Papa wollte auch mit auf die Bilder was ich immer sehr schön finde. Es gab dort auch keine Möglichkeit das Kind alleine abzulegen. Dafür war kein Platz. Einer musste das Kind also halten. Ich machte das beste draus und arbeitete zügig damit ich der Familie nicht zu viel gemeinsame Zeit klaute.

So endet auch dieser fünfte Einsatz. Jährlich gibt es tausende solcher Schicksale in Deutschland. Daher ist es mir immer noch eine Herzensangelegenheit, bekannt zu machen, das es uns Sternenkind Fotografen gibt.

10 Fragen an mich als Sternenkind Fotograf – Ein Interview –Teil 1–

Wenn ich zu Einsätzen gerufen werde, fragen mich die Eltern oft wie man dazu kommt Sternenkinder zu Fotografieren bzw. Sternenkind Fotograf zu werden. Meistens jedoch interessiert Sie eher der Ablauf vom Anfragen bis zur Kontaktaufnahme mit einem Fotografen.

Allerdings sind nicht nur betroffene Eltern neugierig wieso, warum, weshalb man das macht. Auch Freunde, bekannte und Verwandte stellen oft viele Fragen wenn das Thema aufgegriffen wird. Die ,,top ten“ dieser Fragen möchte ich euch hier beantworten.

Sternenkinder Herzenssache

1. Deine AlarmApp geht oft mehrmals am Tag. Was geht dir durch den Kopf wenn das Handy schrillt?

Die ersten Wochen hab ich mich jedes mal erschreckt wenn das Handy los schrillte. Man fühlt sich gerade als absoluter Neuling gewissermaßen Verpflichtet, auch wenn man das nicht ist. Ich war jedes mal ziemlich Aufgeregt. Als außenstehender bekommt man für gewöhnlich nicht mit wie viele Kinder den Sprung ins Leben nicht schaffen. Das ändert sich dann schlagartig. Mittlerweile bin ich etwas ruhiger wenn das Handy wieder bimmelt. Ich schaue drauf und wäge ab ob ich Zeit hab und wie weit der Weg ist. Denn oft ist der Weg die meiste Zeit die man einplanen muss denn 150 km fährt man nicht in 30 Minuten als Beispiel. In erster Linie denke ich also: ,,Hab ich Zeit? Wie kann ich die Kollegen unterstützen auch wenn ich nur ein kleines Zeitfenster bieten kann“. Man versucht also zu Organisieren das man es möglich macht den Eltern möglichst zeitnahe, sofern das Kind schon da ist, diese wertvollen Erinnerungen zu machen.

2. Macht es dich traurig, wenn viele Calls rein kommen? Immerhin bedeutet es jedes mal, das ein Baby gestorben ist, oder sterben wird.

Kurz und knapp. JA!. Ich empfinde tiefes Mitgefühl jedes mal wenn wieder ein Call rein kommt. Ich selbst kann nicht nachempfinden wie das ist ein Kind zu verlieren obwohl ich selbst zwei gesunde Kinder habe, aber ich kann mir durchaus Vorstellen das es nichts schlimmeres gibt. Wieder ein Kind das es nicht schafft oder geschafft hat. Eltern die vor lauter Trauer und Verzweiflung in dem Moment weder vor noch zurück wissen. Beispiel Todesanzeigen in der Zeitung. Man sieht da ist ein Baby gestorben. Man nimmt es wahr, denkt sich wahrscheinlich auch ,,Oh Gott wie schlimm“ und blätter weiter. Denkt mal länger drüber nach.

3. Du hast zwei gesunde Kinder, das jüngste gerade knapp ein Jahr alt. haben deine Kinder etwas dazu beigetragen, das du nun Fotograf bei DSK bist?

Da muss ich etwas ausholen. 2017 habe ich mich erstmalig gefragt ob es Sternenkind Fotografen gibt. Diese Frage habe ich mir dann im Hinterkopf behalten. 2018 sah ich dann im TV ein Bericht über Sternenkinder worauf hin sich meine Frage aus dem Hinterkopf wieder meldete. Da habe ich dann angefangen zu suchen und auch ziemlich schnell DSK entdeckt. Aber bin ich für eine solche Aufgabe bereit? Ich habe mich umfassend mit DSK beschäftigt und dem Thema Sternenkinder und habe dann entschlossen das ich helfen will. Ich WILL diesen Eltern diese Erinnerungen machen. Abschließend würde ich also sagen das meine Kinder keinen Einfluss darauf hatten das ich mich dort beworben habe.

4. Würdest du selbst einen Sternenkind Fotografen anfordern?

Vor dieser Frage hatte ich ehrlich gesagt etwas Respekt. Ich glaube schon das ich einen Fotografen anfordern würde. Es sind nun mal die ersten und letzten Bilder. Wichtigere Erinnerungen gibt es nicht. Manch einer würde sich wahrscheinlich denken, ich bin ja Sternenkind Fotograf, warum machst du es nicht selbst? Ganz einfach. Ich würde es nicht können. Ich wäre zu aufgewühlt mein eigenes Wunder zu fotografieren. Außerdem würde ich Bilder wollen, wo ich mit drauf bin. Also Familienbilder, so wie es viele wollen und wie es auch richtig ist. Alleine schon die Vorstellung, sowas erleben zu müssen, treibt mir die Tränen in die Augen. Es hört sich zwar egoistisch an aber das würde ich auch über den Kopf meines Partners hinweg entscheiden. Wenn meine Partnerin keine Bilder haben wollen würde, dann würde ich das für mich machen lassen denn ich möchte diese Erinnerungen haben.

5. Wie trittst du betroffenen Eltern gegenüber?

Das ist völlig unterschiedlich. Bereits beim ersten Telefonat kann man erahnen wie die Eltern gerade emotional drauf sind. Es gibt Eltern die sind ziemlich gefasst und sehr offen und es gibt Eltern, wie bei meinem ersten Sternchen, die nicht dabei sein möchten und auch keine Form der Kommunikation wünschen. Wenn ich das Zimmer, habe ich einen kurzen Moment die Lage zu erfassen. Ich stelle mich mit den Worten: ,,Hallo, nennt mich Benny. Mit ,,Du“ ist es einfacher. Mein herzlichstes Beileid zu dem was euch passiert ist. Wollt Ihr mir erzählen wie dazu kam?“ Klingt jetzt erst mal nach ,,mit der Tür ins Haus fallen“, aber tatsächlich sind auch die Eltern froh, wenn man sich nicht anschweigt und die meisten Paare haben großen Redebedarf. Ich unterhalte mich erst mit den Eltern bevor ich in meiner Tasche rumkrame um die Kamera startklar zu machen. In diesem ersten, intensiven Gespräch, kann man nebenbei auch schon einen Einblick bekommen was die Eltern sich vorstellen. Nur wenn die Eltern sich im beisein eines fremden wohlfühlen, ist auch das Fotografieren deutlich entspannter. Anweisungen wie was liegen könnte gebe ich für gewöhnlich nicht. Ich frage die Eltern ob ich das Kind selbst positionieren darf bei den Detail Bildern. Dann können die Eltern zuschauen haben nicht zusätzlichen Druck, etwas falsch zu machen. Bei den Familienaufnahmen gebe ich das Kind zurück zur Mama oder zum Papa und halte lediglich die Momente fest wo sie sich verabschieden. Das ist natürlicher als ,,gestellte Szenen“. Im Grunde tue ich nichts weiter als die Eltern, während des Shootings, zu begleiten. Ohne hektik.

Das war Teil 1 des Interviews. Den zweiten und finalen Teil gibt es nächste Woche zur selben Zeit. Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben was ich denke und fühle.

Lieben Gruß, Benny